“Ich kann nichts dafür, dass wir Revolution haben”

“Ich kann nichts dafür, dass wir Revolution haben”, schreibt Lesja, die in einer Kleinstadt in der ukrainischen Region Transkarpatien lebt. Eigentlich hilft die 55-Jährige bei der Pflege ihres Vaters, die seit Wochen andere Verwandte allein stemmen müssen. Denn Lesja arbeitet sehr aktiv für den Euromaidan-Protest in ihrer Region, die als regierungstreu gilt.

Lesja, deren vollständige Identität ich zu ihrem Schutz nicht veröffentliche, organisiert zusammen mit vielen anderen Menschen Fahrten nach Kiew. Sie sammeln auch Geld und warme Kleidung für die Euromaidan-Demonstranten in der ukrainischen Hauptstadt.

Proteste in Uschhorod

Lesja – Ehefrau, Mutter zweier erwachsener Kinder und Oma zweier Enkelkinder – fährt immer wieder zu Protesten nach Uschhorod, in die Hauptstadt der Region Transkarpatien. Dort übernehmen die Menschen erst am vergangenen Dienstag, 28.01.2014, die Kontrolle über die Regionalverwaltung. In den meisten Regionen der Westukraine ist das schon Tage zuvor passiert, in denen es allerdings auch nicht so viele Menschen gibt, die Janukowitschs Partei unterstützen.

“Die Menschen haben Barrikaden errichtet, die nicht so groß sind wie die in Kiew. Sie fordern den Rücktritt des Gouverneur”, so Lesja. Am Mittwoch, 29.01.2014, haben die Menschen in ihrer Stadt vor der Kreisverwaltung demonstriert und einen Volksrat gegründet – nach dem Vorbild in Kiew.


Die Karten zeigen den Stand der Proteste in den 24 Regionen

Stand: 27.01.2014, 18 Uhr: In den westlichen Regionen (blau-gelb) haben die Menschen die Regionalverwaltungen besetzt und Barrikaden errichtet. In der Region Transkarpatien gibt es Massenproteste (hellrosa).

Stand 28.01.2014,  11.30 Uhr: Die Menschen kontrollieren die Regionalverwaltung in Uschhorod, Transkarpatien.

 


Zehntausende Menschen auf dem Euromaidan hatten im Dezember 2013 einen “Nationalen Volksrat” gegründet, der neben einer Justizreform und weiteren Reformen auch die Rückkehr zur alten Verfassung von 2004 fordert, die dem Parlament mehr und dem Präsidenten weniger Rechte gibt. Lesja schreibt weiter, dass es in vielen Städten, die die Menschen kontrollieren, einen Volkrat gebe. Dessen Aufgabe sei es, das ukrainsche Grundgesetz sowie die Rechte und die Freiheit der Menschen zu schützen.

>> Zur EuroMaidan-Übersicht mit Hintergrundinfos, vielen Berichten und interaktiver Karte

Vergangener Storify-Bericht vom 30.01. bis 2.2.2014.

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