Lasst das gedruckte Buch sterben

Lasst das gedruckte Buch und die gedruckte Zeitung sterben!

Ein Buch oder eine Zeitung transportieren einen bestimmten Inhalt, der für die Leser wesentlich ist. Deshalb kann man diesen Inhalt auch digital übertragen und seine gedruckte Verpackung endlich aufgeben!

Bislang konnte mir niemand plausibel erklären, weshalb ich im digitalen Zeitalter noch in Bibliotheken gehen muss, um mir ein Buch auszuleihen. Dabei könnte man doch einfach alle Bücher digital bereitstellen, damit jeder auf dieses Wissen zugreifen kann, auch auf Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften — unabhängig von Ort und Zeit!

Doch so einfach ist das nicht! Die einen wollen das Buch „aus Fleisch und Blut“ in der Hand halten und seinen Duft riechen. Die anderen finden Bibliotheken geeignet, „um das Tempo aus dieser hektischen Zeit zu nehmen“. Es gibt auch Menschen, die verlangen nach Zeitungspapier zum morgendlichen Kaffee, in das man irgendwann „Fisch oder Geschirr“ verpacken kann.

Verweigerer der digitalen Revolution

Wer so redet, verweigert der digitalen Revolution seine Gefolgschaft und klammert sich an einen Strohhalm aus Papier, der im Fluß von Einsen und Nullen untergehen wird. Zahlreiche Bedenken lassen sich problemlos beseitigen, auch das gern genannte Arbeitsplatzargument: „Digitalisierung kostet Arbeitsplätze, beispielsweise in der Druckindustrie.“

Und wo ist das Problem? Digitalisierung schafft auf der anderen Seite neue Arbeitsplätze im digitalen Sektor. Im übrigen hat auch die Erfindung des Buchdrucks damals Arbeitsplätze vernichtet. Nämlich die derjenigen, die handschriftlich Dokumente und Bücher vervielfältigt haben. Zugleich hat der Buchdruck Arbeitsplätze in anderen Bereichen geschaffen.

Lasst das gedruckte Buch sterben

 

Ein weiteres “nettes” Argument gegen den digitalen Konsum von Büchern und Zeitungen besagt, dass ich nicht zufällig über andere Themen stolpere. Das ist absoluter Quatsch! Ich bleibe regelmäßig an Themen und Inhalten hängen, die ich zufällig in meinem RSS-Reader, in sozialen Netzwerken oder auf digitalen Marktplätzen sehe.

Man muss daher weder ein Prophet noch ein Ketzer sein, wenn man die gedruckten Verpackungen, also Bücher und Zeitungen, besser früher als später zu Grabe tragen und die Inhalte digitalisieren möchte.

Bibliotheken sind Geschichte

Es wird die Zeit kommen, in der Menschen nicht mehr verstehen, dass einst Inhalte in Büchern und Zeitschriften gefangen waren. Diese Menschen werden staunend in ein Bibliotheksmuseum gehen, um zu sehen, wie ihre Vorfahren Inhalte transportiert haben. Sie werden auf digitalen Schautafeln sehen, wie man um das gedruckte Buch und die gedruckte Zeitung als Transportmittel von Inhalten erfolglos gekämpft hat. Sie werden auch erfahren, dass über Jahrhunderte nur wenige Menschen Zugang zu Büchern hatten und dass viele Menschen, die nicht lesen konnten, auf die mündliche Weitergabe von Inhalten angewiesen waren.

Wissen muss digital, jederzeit und überall verfügbar sein

Wer sich spätestens an dieser Stelle fragt, weshalb ich mich so aufrege, bekommt die Antwort: Ich bin diese Woche nach Mainz in die Universitätsbibliothek (UB) gefahren, um mir ein Buch auszuleihen. Neben rund zweieinhalb Stunden Fahrzeit und zehn Euro Fahrtkosten musste ich auch 20 Euro Jahresbeitrag bezahlen. In vier Wochen kostet mich das Zurückbringen des Buchs erneut zweieinhalb Stunden Fahrzeit und zehn Euro.

Mir geht es dabei nicht um das Geld. Ich bin bereit, monatlich 20 Euro zu bezahlen, wenn ich problemlos auf alle Bücher digital zugreifen kann. Wenn das viele Menschen machen, kommt jährlich eine hübsche Summe zusammen, mit denen die Autoren bezahlt werden können. Hinzu kommen noch Gelder von Institutionen, Einrichtungen usw., die keine eigenen Bibliotheken mehr betreiben müssen. Die digitale Bereitstellung von Inhalten wäre also finanzierbar, technisch schon heute problemlos möglich.

Mir geht es darum, dass der Zugang zu Wissen längst nicht mehr zeitgemäß ist. Ich will Inhalte, egal ob aus einem Buch oder einer Zeitung, digital – jederzeit und überall!

Kopierer sind Steinzeit

Ich verstehe nicht, dass ich nun mit meiner UB-Karte die Kopierer nutzen kann. Inhalte auf Papier kopieren? Das ist doch Steinzeit! Ich nehme mein Smartphone, fotografiere die Buchseiten ab und kann die Inhalte digital weiterverarbeiten. Weshalb bekomme ich die Inhalte also nicht gleich digitalisiert?

Die Zeit, die ich für diese Arbeit investiere, könnte ich sinnvoll nutzen, beispielsweise um bei einer Tasse Kaffee, bei Diskussionen mit anderen oder auf einer Tour mit meiner Digitalkamera zu entspannen.

Der digitale Konsum von Inhalten ist eine Sache der Gewohnheit. Ich bin weitgehend ohne Computer aufgewachsen, habe später Dokumente und Inhalte ausgedruckt, bis mir das zunehmend zu umständlich war, u.a. um den Drucker einzuschalten oder die Inhalte wiederzufinden. Mit der Zeit konnte ich Texte nicht nur am Bildschirm lesen, sondern auch Inhalte korrigieren, wie eigene und fremde Texte. Den Drucker nutze ich inzwischen kaum noch.

Print wird streben

Wenn also weder meine noch die vorherigen Generationen das gedruckte Buch oder die gedruckte Zeitung sterben lassen, dann wird es eine der nachfolgenden Generationen machen! Das ist sicher!

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