Ostern 2015

Ostern 2015: Fröhlich sein bei all dem Leid?

„Frohe Ostern!“ Das wünschen sich viele Menschen übermorgen. Sieben Wochen lang, bis Pfingsten dauert anschließend die „österliche Freudenzeit“. Doch wie kann man sich freuen bei all dem Leid, den Kriegen und Unglücken?

  • Die somalische (islamistische) Terrorgruppe al-Shabaab hat am Gründonnerstag 147 (christliche) Menschen in Kenia getötet;
  • beim Schiffsunglück in Russland sind am Gründonnerstag 54 Menschen gestorben;
  • täglich sterben Menschen weltweit, weil sie nichts zu essen oder zu trinken haben;
  • beim (absichtlichen) Germanwings-Flugzeugabsturz U49525 sind 150 Menschen gestorben;
  • (täglich) werden Menschen getötet und vertrieben durch den Krieg in der Ostukraine, in Syrien, Jemen oder Irak.

Am (heutigen) Karfreitag haben sich die Christen weltweit an den Tod Jesu Christi erinnert. Vor knapp 2.000 Jahren sorgten Menschen dafür, dass Jesus, Gottes Sohn, am Kreuz hingerichtet wird. Er starb also durch Menschenhand – wie die Toten durch Hunger, Gewalt, Terror oder Kriege.

Wie konnte Gott, der allmächtig ist, seinen Sohn durch Menschen töten lassen? Diese Frage beschäftigt seit dem Tod Jesu die Menschen. Für einige ist das Leid, das in der Welt herrscht, ein Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt. Denn wenn es einen gäbe, dann würde dieser eingreifen. Jesus wäre in dem Fall auch nicht am Kreuz gestorben.

Eine mögliche Antwort auf diese Frage, die zu Karfreitag und Ostern passt:
Gottes Allmacht ist Liebe und zeigt sich darin, dass er unendlich warten kann. Angenommen, man liebt einen Menschen vorbehaltlos. Dann schafft man sich ein Gegenüber, von dem man absolut abhängig ist. So kann das Gegenüber sich weigern, die Liebe zu erwidern. Darunter würde man leiden, weil man den anderen ja weiter unendlich liebt. Man kann das Liebeskummer nennen.

Gott leidet ebenfalls, wenn nur ein einziger freier Mensch nicht auf Gottes Liebe antwortet. Hinzu kommt allerdings noch, dass Gott an Gottverlassenheit leidet: Gott, der den Menschen – aus Liebe – als sein Abbild geschaffen hat, kommt erst zur Ruhe, wenn auch dieser eine, freie Mensch Gottes Liebe erwidert. Das ist mehr als nur Liebeskummer, so etwas wie Eltern-Kind-Liebe: Eltern zeugen ein Kind, das sie lieben, und fühlen sich einsam, wenn das Kind seine Eltern im Stich lässt.

Die Gottverlassenheit wird am Karfreitag deutlich, wenn in Gottesdiensten an das Leiden erinnert wird: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“, schreit Jesus am Kreuz, bevor er seinen Atem aushaucht (vgl. Bibel: Markus (Mk) 15, 34). Jesus hat am Kreuz alles loslassen müssen, selbst sein Vertrauen an Gott, den er Abba – Vater – nennt (Mk14,36). Er hat nichts, an dem er klammern möchte.

Jesus, der reine Liebe ist, verschenkt sich im Tod am Kreuz und schafft damit einerseits einen Raum, der alle Menschen aufnimmt – selbst die Menschen, deren Gottebendlichkeit man erst ausgraben muss, weil sie nicht zu den menschlichen Wertmaßstäben passt. Andererseits ist dieser „Gottverlassene“ am Kreuz Gottes Sohn – das bekennt der römische Hauptmann (Mk 15, 39).

Ostern 2015

Die Frage, wie Gott zulassen konnte, dass Menschen seinen Sohn töten, lässt sich einfach beantworten: Jesus ist für uns gestorben, für unsere Sünden. Er hat uns erlöst.

Alle? Ja, der Apostel Paulus hat sich intensiv mit Jesu Tod beschäftigt: Der Mensch kann das Gesetz Gottes nicht erfüllen. Jesu Tod tilgt das menschliche Unvermögen (vgl. Bibel: Römer 7).

Die Erlösung ist allerdings erst mit der Auferstehung Jesu Christi möglich, mit der er den Tod besiegt. An Ostern gedenken die Christen der Auferstehung, die wiederum nur durch seinen Tod möglich war. Die Freude darüber, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist und die Menschheit erlöst hat, feiern die Christen sieben Wochen lang – bis Pfingsten.

Zugegeben, angesichts des Leids fällt es einerseits schwer, sich zu freuen. Andererseits gibt es zwei Gründe, sich zu freuen:

  1. Wir können gestalten! Es liegt an jedem einzelnen von uns, wie stark das Leid auf dieser Welt ist! So ist jeder dafür verantwortlich, ob Menschen unglücklich sind, weil sie von Kollegen gemobbt, durch günstige Produktpreise ausgebeutet oder von Partnern enttäuscht werden. Ebenfalls entscheidet jeder, ob er Menschen, die er innerhalb weniger Sekunden in Schubladen steckt, aus diesen herausholt, in dem er seine unterbewusste Entscheidung bewusst hinterfragt.
  2. Wir sind erlöst! Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glauben mag, kann sich immerhin darüber freuen, dass er die Welt mitgestalten kann!

 
Abschließen möchte ich mit Gedanken des Theologen Dietrich Bonhoeffer („Der neue Mensch“):
„Der auferstandene Christus trägt die neue Menschheit in sich.
Das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen.
Zwar lebt die Menschheit noch im Alten, aber sie ist schon über das Alte hinaus,
zwar lebt sie noch in einer Welt des Todes, aber sie ist schon über den Tod hinaus,
zwar lebt sie noch in einer Welt der Sünde, aber sie ist schon über die Sünde hinaus,
Die Nacht ist noch nicht vorüber, aber es tagt schon.“

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen „Frohe Ostern“!

Ostern 2015


Lesetipp: “Gottes letztes Wort” vom Freiburger Theologen Hansjürgen Verweyen (357-362).

Herzlichen Dank an Ira und Bruno!

 

Kommentar verfassen