LIVE: Denis Trubetskoy über die Krim und die Ukraine

Denis Trubetskoy, 21, lebt in der Stadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim, ist ethnischer Russe, Ukrainer und Journalist. Ich habe Denis über Twitter kennengelernt und habe mit ihm am Montag, 17.03.2014, um 20.30 Uhr (MEZ), per Hangout on Air über die Krim und die Ukraine gesprochen. Interessierte konnten das Gespräch live im Web verfolgen und haben per Twitter Fragen mit dem Hashtag #lokaltalk gestellt. Die Aufzeichnung mit Sprungmarken steht bereit.

Denis Trubetskoy aus Sewastopol, Krim.
Denis Trubetskoy aus Sewastopol, Krim.

Wegen technischer Probleme beim Hangout mussten wir das Gespräch um eine Stunde verschieben. Anschließend war der Start etwas holprig, weil einige Fenster mit dem Video geöffnet waren. Ab der 2. Minuten geht’s richtig los. 😉

Sprungmarken (komfortabler auf Youtube, funktioniert leider nur auf Desktop-Rechner oder Laptop):
02:29 Denis über persönliche Lage auf Krim

6:48 Menschen auf Krim holen Erinnerungen aus Sowjetunion hervor

8:15 In Sewastopol lag die Wahlbeteiligung bei 123%. Warum es Wahlfälschungen gab.

15:28 Was wird Putin vorm russischen Parlament am 18.03.2014 sagen?

18:17 Blick in die Ostukraine: Auf und Ab der pro-ukrainischen und pro-russischen Proteste

22:50 Fragen von Twitter zur Krim (#lokaltalk)
– Können Journalisten bzw. Medien neutral von der Krim berichten?
– Glauben die Russen auf der Krim an Milch und Honig aus russischen Gießkanne?
Informationskrieg: Kein ukrainisches Fernsehen auf Krim. Wie ist es mit Internet?
– Russische Soldaten haben Gasstation auf Festland besetzt, um Krim-Versorgung zu sichern. Ist es denkbar, dass weitere Regionen besetzt werden, die für die Krimversorgung wichtig sind?
Wie geht es mit den Pässen weiter? Dürfen Ukrainer ihre Pässe behalten?

35:00 Sprung aufs Festland – Was sind Titushki?

37:20 Weshalb schließt die Ukraine nicht die Grenzen zu Russland, um demonstrations- und gewaltbereite aus der Ukraine fernzuhalten?

40:35 Woher kommt Teilung in Westukraine einseits und Süd- und Ostukraine andererseits?

49:00 Zum EuroMaidan-Protest, der Auslöser für Lage auf der Krim und in der Ost- sowie Südukraine ist. Kurzer Rückblick. Wofür haben die Menschen demonstriert?

55:22 Fragen von Twitter zur Krim (#lokaltalk)
Wie geht es mit dem ukrainischen Militär und deren Angehörigen auf der Krim weiter?
Treffen Infos zu, dass Ukrainer auf der Krim aus ihren Häusern vertrieben werden?

58:27 Sprung zurück zum EuroMaidan-Protest
– Wie kommt es, dass die Ukrainer für die Menschenrechte auf die Straße gehen?

01:00:48 Zum Wechsel der friedlichen Proteste in Gewalt und die Rolle der Partei Swoboda und des Rechten Sektors (Ausrichtung, Einfluss, Bedeutung, mögliche Gefahren).

01:21:58 Wechsel zur Übergangsregierung: Die beschließt die Aufhebung des Sprachengesetzes, das Janukowitsch eingeführt hat. Die Aufhebung wurde auf Drängen der EU nicht umgesetzt. HINWEIS: Das Sprachengesetz sieht russisch nicht als 2. Amtssprache vor! (in Medien wird dies anders berichtet). Denis erklärt Hintergründe. Der Aufhebungsbeschluss war dennoch ein falsches Signal in Richtung Ost- und Südukraine.

01:29:09 Zur Rolle der EU und USA: Wie sollten Europa und USA handeln?

01:32:12 Russland ist interessiert, dass Ukraine Teil der Eurasischen Union wird. Ist es sinnvoll, dass die Ukraine der EU beitritt oder besser neutral bleibt?

01:35:14 Menschen in der Ukraine sind unentschlossen, ob sie der EU oder der Eurasischen Union beitreten sollen oder besser nicht. Keine einheitliche Position. Denis: Ukrainer müssen endlich verstehen, dass sie nicht zweitrangig sein und eine gemeinsame Position als großes europäisches Land finden.


Tweets von Denis am Tag des Referendums (16.03.2014)

Auf wrint.de gibt es ein Audio-Gespräch mit Denis Trubetskoy (15.03.2014). Hier geht’s zum Brief, den Denis Trubetskoy an die deutsche Bundeskanzlerin und ihr Kabinett geschrieben hat (06.03.2014).


Hintergrund zur Krim:

Das Krim-Parlament teilt am 26.02.2014 mit, dass sich die ukrainische Halbinsel nicht von der Ukraine abspalten werde.


 
Am nächsten Tag besetzen rund 100 bewaffnete Menschen das Krim-Parlament. Die Abgeordneten wählen am gleichen Tag die Krim-Regierung ab und beschließen ein Referendum für den 25.05.2014, bei dem die Krim-Bewohner über eine erweiterte Autonomie der Halbsinsel abstimmen sollen. Für den 25.05.2014 hat die Übergangsregierung in Kiew die Präsidentschaftswahlen festgelegt.


 
Zunehmend breiten sich auf der Krim vermummte und bewaffnete Männer aus, an deren Militäruniform keine Hoheitsabzeichen zu sehen sind. Die Fahrzeuge, mit denen sich die Männer auf der Halbinsel ausbreiten, besitzen keine Kennzeichen. Es gibt Spekulationen, dass es russische Soldaten sind. Im Laufe der Zeit gibt es ausreichend Beweise dafür, dass es tatsächlich russische Soldaten sind. Russland streitet das ab und bezeichnet die Unbekannten als Selbstverteidigungsgruppen der Krim.


 
Der neue Primierminister der Krim, Aksjonow, bittet am 01.03.2014 Russland um Unterstützung und zieht das Referendum auf den 30.03.2014 vor, wenige Tage später auf den 16.03.2014. Aksjonows Partei hatte bei den Krim-Wahlen 2010 rund 4 Prozent der Stimmen erhalten. Beim Referendum geht es nicht mehr nur um eine erweiterte Autonomie, sondern um einen Beitritt zur russischen Förderation. Das russische Parlament stimmt am 01.03.2014 geschlossen für Putins Bitte, die russische Armee in der gesamten Ukraine einsetzen zu dürfen.

 

Im Vorfeld des Krim-Referendums gibt es viel Propaganda:


 

Referendum am 16.03.2014
„Sind Sie für die Wiedervereinigung der Krim mit Russland?“ oder „Sind Sie für die Wiederherstellung der Verfassung von 1992 und den Status der Krim als Teil der Ukraine?“ – zwischen diesen beiden Möglichkeiten durften am Sonntag rund 1,5 Millionen Wahlberechtigte auf der Krim entscheiden (mehr Details siehe Tagesschau-Bericht vom 16.03.2014).
[Update: 17.03.2014, 09:30 Uhr] Laut offiziellem Endergebnis haben 96,6 Prozent der Menschen, die sich an der Wahl beteiligt haben, für einen Russland-Beitritt ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung sollen bei 83,1% gelegen haben. Das entspricht rund 1,25 Millionen abgegebener Stimmen.

 
Weiterführende Beiträge:

>> Zur EuroMaidan-Übersicht
 

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