Digitale Demenz: Was jetzt wichtig wäre

Die Diskussion über Manfred Spitzers „Digitale Demenz“, die keine war, weil beide Seiten keinerlei Interesse an den Argumenten der Gegenseite hatten und haben, hat für mich vor allem eines gezeigt: Während ein Teil der Gesellschaft das Internet im Speziellen und die Digitalisierung im Allgemeinen enthusiastisch begrüßt, lehnt ein anderer Teil beides ab bzw. sieht fast ausschließlich Risiken. Und zwischen beiden Seiten ist quasi keine Verständigung möglich.

Das liegt vor allem daran, dass Internet und Digitalisierung mit Hoffnungen respektive Ängsten überfrachtet werden. Während die einen so tun, als ermögliche erst das Internet Demokratie, Mitbestimmung, Freiheit, Bildung für alle etc. und als sei die Welt vor Erfindung des Social Web ein dunkles Tal der Ahnungslosen gewesen, sehen die anderen eben dies: Demokratie, Bildung, Anstand nicht nur massiv bedroht sondern bereits im Untergang begriffen. Beides ist völlig irrational. Sowohl Enthusiasten als auch Skeptiker sollten abrüsten und die Argumente der jeweils anderen Seite ernst nehmen.

Im Grunde stellt Spitzer Fragen, die dringend diskutiert und beantwortet werden sollten:

  • Welche Voraussetzungen muss ein Mensch mitbringen, um das Internet wirklich sinnvoll zu nutzen?
  • Was bedeutet Google für die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, uns in der Welt bewegen?
  • Wie objektiv sind Suchergebnisse, die wir nutzen?
  • Welche Folgen hat das Internet für das Lernen?
  • Ist es wirklich so, wie Beckedahl/ Lüke in „Die digitale Gesellschaft“ schreiben, dass das Internet das Auswendiglernen von Gedichten überflüssig macht?
  • Was heißt Bildung in einer digitalisierten Welt?
  • Ist unser Gehirn gerüstet für die neuen Aufgaben?
  • Wenn nicht: Wie muss man es trainieren?
  • Was bedeutet es, dass viele Menschen sich durch die radikalen Veränderungen im Alltag, vor allem aber in der Arbeitswelt überfordert fühlen?
  • Was kann, was muss die Gesellschaft, was muss die Politik tun, um diesen Menschen zu helfen? Oder sollen wir sie allein lassen, nach dem Motto „Wer sich in der neuen Welt nicht zurechtfindet, ist selber schuld“?

All diese Fragen und viele mehr werden nicht wirklich gestellt und selten ernsthaft diskutiert. Jeder hat seine Antworten darauf schon parat und glaubt zu wissen, was das Richtige ist. So kommen wir nicht weiter.

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