Ein paar Fragen an die Piraten

Die Piratenpartei hat eine Pressemitteilung veröffentlicht. Sie stellt darin ihre Positionen zum Urheberrecht vor und will über Mythen aufklären. Aufklärung ist immer gut, allerdings wirft das Ganze mehr Fragen auf, als es beantwortet.

1. In der Pressemitteilung heißt es: „Die im Urheberrechtsgesetz festgeschriebenen Regelungen schränken die Rechte der Allgemeinheit an der Verwendung von Wissen und Informationen ein.“ Inwiefern? Jeder kann und darf alles lesen, jeder kann und darf aus Werken zitieren, auf Basis seiner Lektüren Ideen neu- und weiterentwickeln und eigene Werke schaffen, immer insoweit er seine Quellen nennt und das Ergebnis fremder Gedankenarbeit nicht als eigene leistung ausgibt.

2. Weiter heißt es: „Die derzeitigen Regelungen führen trotz eines stetig wachsenden Kulturgütermarktes bisher noch selten dazu, dass die Urheber angemessen an den daraus entstehenden Einnahmen beteiligt werden.“ Woher wissen die Autoren das? Wo sind Belege für diese These?

3. „Der freie Zugang zu Wissen und Kultur ist entscheidend für die Entwicklung der Gesellschaft. Ihn aus rein wirtschaftlichen Überlegungen einzuschränken, ist gesellschaftlich nicht tragbar“ Wo genau wird von wem der freie Zugang zu Wissen und Kultur in Deutschland aus wirtschaftlichen Interessen eingeschränkt? Ist die Tatsache allein, dass beispielsweise Verlage für ein Buch, eine Zeitschrift, eine App Geld verlangen, bereits eine Einschränkung aus wirtschaftlichen Überlegungen? Wenn ja: Ist die Tatsache, dass wir für Lebensmittel Geld bezahlen müssen, eine Einschränkung unseres grundgesetzlich verbrieften Rechts auf Leben?

4. Vorschläge wie Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren und die Sperrung von Internetanschlüssen bei Urheberrechtsverletzungen zeigten, so die Piraten, dass „die restriktive Durchsetzung von Urheberrechten im nichtkommerziellen Bereich eine Überwachungsinfrastruktur im Internet, eine Einschränkung der Kommunikationsfreiheit und Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger erfordern würde“. Hier werden völlig verschiedene Themen vermischt, zumindest wusste ich bislang nicht, dass die Vorratsdatenspeicherung das Ziel hat, nichtkommerzielle Verstöße gegen das Urheberrecht zu verfolgen. Zudem stellt sich die Frage, was mit Privatkopie eigentlich gemeint ist. Ist eine Privatkopie einer in der Bibliothek ausgeliehenen DVD für mich zulässig? Was ist, wenn ich meinen fünf Nachbarn auch eine Kopie brenne? Und für meine zehn Freunde zwei Straßen weiter auch? Und dann noch für meine 30 Freunde in zwei anderen Städten? Und für die 100 Leute, die mit mir im Proseminar sitzen? Und was ist, wenn ich meine Privatkopie im Filesharing hochlade und alle 800 Facebook-Freunde einlade, sich die Kopie gleich selber zu machen, weil ich keinen Bock dazu habe? Wo fängt Privatkopie an, wo hört sie auf? Auf diese Frage findet sich leider keine Antwort in dem Papier.

 

 

3 Gedanken zu „Ein paar Fragen an die Piraten

  1. Vielen Dank für diese Fragen! Ich verstehe die Piraten auch nicht. Einige Ansichten sind nachdenkenswert, andere grober Unfug. Beim Urheberrecht fehlt mir auch gerade der Durchblick, was die Piraten geritten hat. Jeder muss Zugang zu Wissen haben. Das ist richtig. Ebenso wichtig ist jedoch auch, dass die, die das Wissen bereitstellen, dafür bezahlt werden, um leben zu können. Auch zitieren aus Werken ist wichtig. Nur müssen Zitate kenntlich gemacht werden. Gutenberg, Koch-Mehrin & Co. haben sich fremdes Gedankengut zu eigen gemacht. Ist das okay, Piraten? Vor allem, dass die Plagiatsschreiber durch Ihre Titel noch einmal richtig Kohle gemacht haben?
    Gruß RR

  2. Vielleicht, Dromedar! Bist Du nicht einer von ihnen? Dann müsstest Du es mir sagen können.
    Gruß RR

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