EuroMaidan: Gewalt in Kiew eskaliert

Während es in der Nacht weitgehend ruhig auf dem Platz an der Hrushevskoho Street war, eskaliert die Lage seit etwa 8 Uhr in Kiew (7 Uhr in Berlin, MEZ). Inzwischen ist der erste Panzer gesichtet worden. Schwarze Rauchsäulen über Kiew. 5 Tote. Ein trauriger Tag. Unbeantwortet bleibt weiter die Frage, weshalb der ukrainische Präsident seit 2 Monaten nicht mit seinen Kritikern redet und  – nach in Kraft treten der schärferen Gesetze – sehr gewaltsam gegen Teile seines Volkes vorgeht.

Kiew: Karte zeigt EuroMaidan, Hrushevskoho Street mit dem Eingang zum Stadion von Dynamo Kiew und Parlament
Kiew: Karte zeigt EuroMaidan, Hrushevskoho Street mit dem Eingang zum Stadion von Dynamo Kiew und Parlament.
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1. Stürmungsversuch durch Polizei

Kurz nach 8 Uhr in Kiew stürmt die Polizei überraschend und eher zögerlich den Platz an der Hrushevskoho Street, an dem der Eingang des Fußballstadions von Dynamo Kiew liegt. Keine 10 bis 15 Minuten später drängen die Demonstranten die Polizei zurück. Um 08:30 Uhr Kiewer Zeit (07:30 Uhr MEZ) haben beide Parteien wieder die Positionen eingenommen, wie vor der Aktion – bei der allerdings etliche Demonstranten festgenommen werden. Sie werden nach den neuen Gesetzen, die heute um Mitternacht in Kraft getreten sind (22.01.2014), bestraft: je nach Schwere mit einer Geld- oder Haftstrafe.

2. Stürmungsversuch durch Polizei

Gegen 13 Uhr Kiewer Zeit versucht die Polizei erneut, den Platz zu räumen. Demonstranten können einen Teil des Platzes verteidigen, weil sie Müll verbrennen. Diese brennenden Barrikaden, die die Demonstranten weiter ausbauen, halten sie auch über Nacht weiter aufrecht.

Nachmittags trifft sich Janukowitsch erstmals mit Oppositionsvertretern, mit denen er ursprünglich schon zwei Tage sprechen wollte. Grund für dieses Gespräch waren die gewaltsamen Proteste vom Sonntag, 19.01.2014. Das Gespräch verlief erfolglos.

Gespräche mit Janukowitsch erfolglos

Am Abend kamen die Oppositionsführer Vitali Klitschko (Demokratische Reform-Allianz), Arseni Jazenjuk (Vaterlandspartei) und Oleg Tiagnibok (Freiheitspartei)  sowie die Sängerin Ruslana auf den Euromaidan. Sie berichteten den rund 50.000 Menschen vom Gespräch mit Janukowitsch und den Konsequenzen: Den Euromaidan diese Nacht verteidigen und abwarten, wie Janukowitsch auf das 24-Stunden Ultimatum reagiert, das die Opposition verhängt hat. Anschließend wolle die Opposition zusammen mit dem Menschen vom Euromaidan durchgreifen. Zahlreiche Protestler sind offen für ein gewaltsamen Vorgehen, weil sich ihre Lage nach 2 Monaten Protest mit den neuen Gesetzen verschlechtert hat. Hinzu kommt auch die Abkehr vom Europakurs seit etwa Mitte Dezember 2013.

Weitere Details, Bilder, Kurzvideos und Tweets enthält der Storify-Live-Bericht (bis 23.01.2014, 8 Uhr in Kiew (7 Uhr MEZ)).

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Den EuroMaidan-Tag, 22.01.2014, zeigen die 22 Kurzvideos (Dauer: 38 Minuten):


Die EuroMaidan-Nacht, 23.01.2014, zeigen die 4 Kurzvideos (Dauer: 11 Minuten):

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