Google Currents versus RSS? Nein!

Mitte April hat Google die App „Google Currents“ auch in Deutschland auf den Markt gebracht. Ich habe Google Currents fast 4 Wochen getestet. Mein Fazit: Wer Nachrichten verfolgen und informiert sein möchte, bleibt weiter bei RSS. Wem RSS zu nüchtern ist, der sieht in „Google Currents“ die Feeds im Magazin-Style, verzichtet allerdings auf den schnellen Überblick. Die von mir ausprobierten Alternativen zu „Google Currents“ sind Flipboard und Feedly. Weitere Alternativen laut netzwertig.com sind die Apps Pulse, FLUD, NewsMix, Zite und BroadFeed.

Google Currents Library
Google Currents Library: Auswahl der Editions und Zugriff auf Google Reader

Google Currents

Ist die App „Google Currents“ installiert, muss man sich mit seinem Google-Konto anmelden. Anschließend kann man auswählen, welche Editions, also Informationsangebote von Websites und Blogs, man in Google Currents lesen möchte. Es gibt inzwischen schon einige deutschsprachige Editions (ZDNet.de, Neue Zürcher Zeitung, Kicker), die meisten sind englischsprachig (Forbes, The Huffington Post, CNET).

Mit Currents Producer erstellt man sich eine Edition zusammen und kann die Ausgabe mit Logo, Schriftarten und Fraben gestalten. Die Informationen einer Edition werden per RSS eingebunden.

In der Library von Google Currents kann man beispielsweise aus den Kategorien Featured, Recommended, News, Business oder Sports vorgefertigte Editions auswählen. Man kann auch auf seinen Google Reader zugreifen und die dort abgelegten RSS-Feeds einbinden. Trending ermöglicht einem, sich z.B. die 5 Top-Geschichten der Welt anzeigen zu lassen.

Google Currents: dosentelefon.eu-Feed
Google Currents: dosentelefon.eu-Feed

Kritik an Google Currents

Natürlich habe ich als Erstes über den Google Reader den RSS-Feed von dosentelefon.eu eingebunden. Das war am 16.04.2012. Seither lädt Google Currents leider keine neuen Beiträge mehr von dosentelefon.eu, obwohl RSS-Reader oder der Google Reader regelmäßig die aktuellsten Beiträge anzeigen. Bei den RSS-Feeds anderer Blogs, wie von ichsagmal.com, klappt’s problemlos. Vielleicht hat jemand ja eine Erklärung, weshalb Google Currents die RSS-Feeds von dosentelefon.eu nicht aktualisiert. 🙁

Google Currents stellt die RSS-Feeds im Magazin-Style dar. Das sieht auf den ersten Blick schick aus. Mir fehlt allerdings der Überblick. So sehe ich immer nur die Beiträge einer Edition. Also muss ich Edition für Edition durchblättern. Das ist zeitfressend und unübersichtlich. Schön wäre, wenn die Beiträge aller Editions chronologisch geordnet angezeigt werden. Diese Funktion bietet Flipboard. Flipboard zeigt zudem auch an, wie viele Retweets ein Beitrag hat. Nett.

Flipboard: Alternative zu Google Currents
Flipboard: Alternative zu Google Currents

Alternativen zu Google Currents

Flipboard und Feedly sind gute Alternativen zu Google Currents. Mir gefällt Flipboard wegen der optischen Aufmachung und der besseren Social Web-Anbindung etwas besser (Accounts von Facebook, Twitter & Co. einbinden oder Anzeige von Retweets). Beide Apps ermöglichen auch, seine Feeds aus dem Google Redaer einzubinden. Aus den drei Apps heraus kann man Beiträge in den gängigen social Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram (hat Facebook Anfang April 2012 gekauft) oder per E-Mail teilen.

Kritik an Google Currents, Flipboard und Feedly

„Flipboard und Google Currents versuchen das gleiche Problem zu lösen. RSS Feeds sind nicht schick, nicht modern, fancy oder gar sexy. Sie sind an sich ziemlich langweilig, mehr Werkzeug als Vergnügen. Die beiden Apps versuchen Inhalte so aufzubereiten, dass sie eben nicht mehr nur eine Liste neuer Texte sind, sondern ansprechend gestaltet dem Leser in einer bekannten Optik angeboten werden“, schreibt Marcel Wichmann am 12.04.2012 im Blog uarrr.org. Diese Kritik gilt auch für Feedly und vermutlich ebenfalls für die von mir nicht getesteten Apps Pulse, FLUD, NewsMix, Zite und BroadFeed.

Apps wie Flipboard oder Google Currents sind laut Marcel Wichmann, ohne die genannten Personenkreise zu diskriminieren, „ganz nett für Hausfrauen und Leute, die auch gerne mal den Fernseher einschalten, um sich berieseln zu lassen, aber es ist kein Vergleich zu einem RSS-Reader“.

Ich schließe mich seiner Begründung an, dass RSS-Reader und „Magazin-Apps“ zwei unterschiedliche Formen der Informationsdarstellung sind. Es ist Geschmackssache, welche Variante man bevorzugt. Ich bleibe weiter bei RSS.

RSS-Reader: Feeds von dosentelefon.eu
RSS-Reader: Feeds von dosentelefon.eu

Vorzüge von RSS

Blogs und Websites bieten meistens an, die Beiträge per RSS, Really Simple Syndication, zu abonnieren.  Es gibt RSS-Reader, in denen man die verschiedenen RSS-Feeds verwalten und strukturieren kann. Auch E-Mail-Programme wie Outlook oder Mail und Browser wie Firefox und Safari ermöglichen, RSS-Feeds zu abonnieren.

Ich abonniere und strukturiere meine RSS-Feeds mit dem Google-Reader, um von überall auf meine Abos zugreifen zu können. In der Regel lese ich die Feeds nicht bei Google, sondern hole mir die Feeds mit einem Programm oder einer App auf das jeweilige Gerät (iPad, Laptop, Handy).

Ich sehe von allen Beiträgen den Titel und die ersten Zeilen, wenn vorhanden auch einen Bildausschnitt. Chronologisch kann ich dann die Überschriften und den Vorspann aller Beiträge überfliegen. Interessiert mich ein Thema, kann ich – stark vereinfacht und unabhängig von der genutzten Applikation – auf den Beitrag klicken und diesen lesen. Ich lege meine Feeds thematisch in Ordnern ab, beispielsweise Politik, IT+Technik oder Sport. So kann ich schnell die Fülle an Infos auf mein aktuelles Bedürfnis  filtern, z.B. nur Sport-Nachrichten lesen.

„Wir werden nicht das Konzept “Liste” verbessern können. Besonders nicht das Konzept “Chronologisch geordnete Liste”. Da ist schon alles so weit runtergebrochen, wie es nur geht“, so Marcel Wichmann weiter. Recht hat er! Deshalb bleibe ich auch weiter beim RSS-Reader!

Ich werde in den nächsten Tagen einen Beitrag zum Thema RSS verfassen, das nach meinen Beobachtungen vielen Menschen gänzlich unbekannt ist.

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