HuffPosts Jagd nach Facebook-Daten

Ich habe kein professionelles Interesse an Journalismus oder Publizistik. Sehr wohl aber an Online-Ereignissen und -Medien. Klar, dass ich da die Welle mitreiten musste und mich gleich am ersten Tag auf der frisch erschienenen Huffington Post Deutschland (HuffPost) umschaute.

Kritik war auf Twitter reichlich zu lesen und im wesentlich bestätigte sich der Eindruck für mich. Das Spektrum reichte vom lächerlichen Design („90er Jahre“)

über den Bild-Zeitungs-Stil

bis hin zu dem ernsten Thema, dass Blogger zwar nicht vergütet werden, aber die Haftung auf sie abgewälzt wird.

Aber meine Augen hängen plötzlich an so einem Teaser mit der Überschrift „Deutsche müssen ihre Körpersprache ändern“. Das zugehörige Bild zeigt Armin Laschet von der CDU, die rechte Hand bis in Höhe des Kopfes erhoben. So was kann man schnell mal falsch verstehen – vor allem in der Kombination mit dem Titel. Deshalb würde ich jetzt sehr gerne den ersten (!) Kommentar zu jenem Artikel schreiben.

Huffington Post Deutschland: So sah die Politik-Startseite am 10.10.2013 um 21:10 Uhr aus (Screenshot)
Huffington Post Deutschland: So sah die Politik-Startseite am 10.10.2013 um 21:10 Uhr aus (Screenshot)

HuffPost verlangt nach Google+-Anmeldung die Facebook-Daten

Um einen Kommentar zu schreiben, muss man angemeldet sein. Also rasch ein Konto eröffnet. Oh – sie bieten die Authentifikation über soziale Netze an – wie nett. Ich entscheide mich, meinen Google+ Account zu opfern, und konfiguriere, auf welche Kreise HuffPost zugreifen darf. Doch welch Erstaunen: Nachdem die Erlaubnis abschickt ist, kommt sofort der nächste Prompt: auch den Zugriff auf Facebook erlauben! Hoppla? So habe ich mir das nicht vorgestellt. Ich breche ab und hab‘ erst mal kein HuffPost-Konto.

Huffington Post Deutschland verbindet sich mit Google Plus (Screenshot vom 11.10.2013)
Huffington Post Deutschland verbindet sich mit Google Plus (Screenshot vom 11.10.2013)

Ich versuche noch einige Male, mich via Google+ anzumelden. Auch ein „manuelles“ Registrieren mit Angabe von Namen und E-Mail funktioniert nicht. Aber ich will HuffPost meinen Facebook-Account nicht freigeben. Zumal ich dort weder konfigurieren kann, noch ersichtlich ist, was HuffPost alles darf. Ein HuffPost-Konto hab ich also nicht, anmelden kann ich mich nicht, kommentieren erst recht nicht. Ärger!

Würde mir HuffPost helfen?

Ich schreibe eine Mail an ….. ja, an wen denn? Ein Impressum, das gewöhnlich auf jeder Seite zu finden wäre, gibt es bei HuffPost nicht. Man kann jedoch am Seitenende den Link ‚Kontakt‘ nehmen. Dort finde ich !! eine analoge Anschrift und darunter, fein! :-), eine E-Mail-Adresse:
Legal: hpgermanylegal@aol.com
[Anmerkung: am 11.10. ist die E-Mail-Adresse dann schon auf Recht@huffingtonpost.de geändert.]

Ich schreibe, dass ich verärgert bin, meine Facebook-Daten nicht preisgeben will und expressis verbis die Einwilligung widerrufe, meine Google+ Daten zu verwenden. Schließlich habe ich ja auch keinen Account auf HuffPost bekommen. Den Datenschutzbeauftragten von Baden-Württemberg setze ich gleich mal auf CC.

Keine zwei Stunden später kommt immerhin eine Antwort von community@huffingtonpost.de, man habe weder zu meinem Namen noch zu meiner E-Mail-Adresse einen Account finden können. Na – da hat aber jemand meine Mail gar nicht gelesen. Immer noch Ärger!

Nur Facebook-Anmeldung bei HuffPost möglich

Bleibt anzumerken, dass auf Anfrage bei der HuffPost-Community herauskam, dass „die Anmeldung nur mit einem verifizierten Facebook-Account möglich“ sei. Auf die Nachfrage, weshalb zur Anmeldung neben Facebook und Google+ auch Twitter, LinkedIn und weitere sozialen Netze angeboten werden, gab’s dann keine Antwort mehr. 🙁

Mit Social Web bei Huffington Post Deutschland anmelden (Screenshot vom 11.10.2013)
Mit Social Web bei Huffington Post Deutschland anmelden (Screenshot vom 11.10.2013)

Fazit – Huffpost ohne mich

Über dieses Verhalten kann ich nur den Kopf schütteln. Nach Wochen der NSA-Debatte, nach Wochen der Diskussion über den Datenhunger der Sozialen Netze und deren Möglichkeiten, aus den Datenverknüpfungen Profit zu ziehen, hat HuffPost Deutschland die Stirn, auf einen Nutzer einen derartigen Zwang auszuüben. Technische Gründe dafür kann ich mir gar nicht vorstellen, sondern lediglich, dass HuffPost daraus irgendeinen Vorteil zu ziehen glaubt. Mir aber geht es völlig gegen den Strich, mein privates (!) Umfeld – denn dafür nutze ich Facebook – mit einer eher an die Öffentlichkeit gerichteten, politischen Tätigkeit zu vermischen.

Tja HuffPost – auf meine geistreichen Kommentare werdet ihr verzichten müssen.

Kommentar verfassen