Ich will ein Benjamin-T-Shirt, und das blöde Urheberrecht verbietet es mir

Franziska Bulban erzählt auf Zeit Online eine ergreifende Geschichte: Wie sie versuchte, für ihre Freundin ein T-Shirt mit einem von ihr bearbeiteten Foto von Walter Benjamin zu bedrucken. Das Foto ist von der Fotografin Germain Krull, die Rechte an dem Kunstwerk liegen beim Museum Folkwang in Essen. Langer Rede kurzer Sinn: Aus Angst vor einem Urheberrechtsverstoß lässt sie das Bedrucken des T-Shirt, und stellt am Ende fest: Nun habe sie ein Problem mit Regeln.

Und natürlich dient das Ganze auf Twitter und sonstwo jetzt als Beweis dafür, dass das Urheberrecht aber sowas von reformiert werden muss. Aber warum eigentlich? Die Autorin will sich ein Foto aneignen, um damit etwas zu machen. Dafür will sie nicht bezahlen, zumindest ist nirgendwo davon die rede, dass sie diesen Schritt in Erwägung gezogen hätte. Sie will ja nur das T-Shirt für die Freundin. Aber nehmen wir an, das T-Shirt kommt gut an, und auf einmal wollen noch 10 Leute so ein Teil. Schon sind es elf Shirts, die das Kunstwerk einer Fotografin nutzen. Und dann vielleicht 100, wer weiß, vielleicht erlebt Benjamin ja eine Renaissance, zumindest als T-Shirt-Pin Up. Und jedes Mal handelt es sich ja nur um ein einzelnes T-Shirt für den Privatgebrauch. Und der Rechteinhaber hat nichts davon.

 

Auch wenn das beim Benjamin-T-Shirt utopisch klingen mag, ist es doch symptomatisch für die ganze Diskussion: Jemand will etwas konsumieren, aber nicht dafür bezahlen. Als Begründung heißt es immer: Es ist ja nur eine Privatkopie. Und dann kommt immer der Hinweis auf die Kassetten, die man in den 80er Jahren selig für die Liebste gesampelt hat, da sei das ja auch kein problem gewesen. War es auch nicht, denn man musste die Kassette kaufen (Geldinvestition), man musste sie mühsam voll sampeln (Zeitinvestition). und das hat man höchstens einmal gemacht. heute aber ist weder das Sampeln aufwendig noch das Kopieren, und ohne jedes Problem kann man 1.000 Privatkopien machen. Und deswegen ist der Begriff „Privatkopie“ vöölig untauglich, wenn es um digitalisierbare Themen geht. Denn die wirkliche privatkopie für einen selber, die sozusagen einzigartige Privatkopie, die ist ja höchstrichertlich erlaubt, die wird ja nicht verfolgt. Es geht immer um öffentlich zugängliche Kopien, und die sind nicht privat.

So, und jetzt zurück zu „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit„.

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