Nostalgie: Die Zeit mit 56k-Modem und knappem Speicherplatz

Schön war die Zeit – auch ohne DSL und riesige Datenspeicher! Schön ist die Zeit – mit DSL und Terabytes an Speicher! Wer kann sich an die Zeit erinnern, als man sich noch per Modem ins Internet einwählte, Daten per Diskette, auch Floppy genannt, austauschte oder für größere Festplatten und Arbeitsspeicher viel Geld bezahlen musste?

Speichern von Computerprogrammen auf CD
Speichern von Computerprogrammen auf CD

Gestern Nachmittag habe ich meinen Fundus an Computer-CDs aufgeräumt. Schweren Herzens habe ich mich beispielsweise von CDs mit der Bezeichnung „Programme 1“ und „Programme 2“ getrennt. Allerdings sind die Programme

  • für Windows (ich arbeite seit 7 Jahren mit Mac),
  • mehr als 12 Jahre alt (es gibt aktuellere Versionen) und
  • zum Teil obsolet (rasante technische Entwicklung).

Beim Entsorgen der CDs sind mir einige Erinnerungen an die Zeit mit Modem und knappem Speicherplatz durch den Kopf gegangen.

Erst mit Modem, dann mit ISDN ins Web

Vor 12 Jahren habe ich mich mit einem Modem ins Internet eingewählt. Schon am Wählton und an der Wähldauer habe ich erkannt, ob die Verbindung zustande kommt (war öfter mal nicht der Fall). War ich endlich im Internet, verriet mir der Klick-Ton „Mist, nun ist das Internet wieder weg“! Also erneut einwählen. Flaterates gab’s damals noch nicht. Stattdessen habe ich in eine der zahlreichen Übersichten geschaut, welche Anbieter zu welchen Tages- und Nachtzeiten günstige Internettarife haben.

Mit meinem 56k-Modem konnte ich theoretisch 56 kilobit (kbit) pro Sekunde herunterladen, praktisch eher selten. Für 1 Megabyte (MB) habe ich also theoretisch 2:20 Minuten gebraucht, praktisch 3 Minuten oder mehr.

Im Herbst 2002 habe ich mir dann ISDN geholt: 2 Leitungen, die jeweils 64 kilobit pro Sekunde ermöglichen. Zusammen ergibt das eine Downloadrate von 128 kbit/Sekunde. Für 1MB habe ich theoretisch nur 1 Minute benötigt, meist knapp 1:30 Minuten. Im Vergleich dazu: Bei DSL 2.000 (2.048 kbit/Sekunde) ist 1MB in theoretisch 4 Sekunden auf dem Computer, bei DSL 16.000 in Millisekunden.

Nützliche Websites für vertiefende Informationen:

Downloads auf Datenträgern gesichert

Nachdem ich mit meinem 56k-Modem mühsam ein Programm heruntergeladen hatte, habe ich es irgendwann auch auf einem Datenträger gesichert, als Backup. Ich wusste nicht, wie schnell ich das heruntergeladene Programm wieder brauchen werde. Beispielsweise weil Windows nach zu vielen Programminstallationen zu langsam war und ich mit „format c:“ alle Daten auf der Festplatte gelöscht habe. Nach der anschließenden Neuinstallation des Betriebssystems musste ich dann wenigstens die Programme nicht erneut downloaden.

Die Festplatten in Computern hatten nach meinen Erinnerungen um das Jahr 2000 herum eine Größe von 40 bis 80 GB. Ich habe im Jahre 1999 meinen Computer (Windows 95) mit einer 40GB-Festplatte ausgestattet. Heute sind Computer und Notebooks, je nach Hersteller und Model, mit 128 Gigabyte (GB) bis 2 Terabyte (TB) ausgestattet. Externe Festplatten haben inzwischen eine Speicherkapazität von 2 bis 3 Terabyte.

Split-It für kleine Datenpakete

Mit dem kleinen Programm „Split-It“ habe ich große Dateien gesplittet – beispielsweise um die Datei in Paketen auf mehreren Disketten oder CDs zu speichern. Es gab damals zwar schon DVDs, aber diese waren noch sehr teuer. Laut Wikipedia gab es die ersten DVD-Brenner Ende 1996 im Handel, „die Preise lagen jedoch bei ca. 10.000 DM und der Preis eines 3,6-GB-Rohlings lag oberhalb von 100 DM“.

Split-It gibt es auch heute noch. Mit dem Programm könnte man beispielsweise auch Dateien verkleinern, die man per E-Mail verschicken möchte. Oft sind als Dateianhang nur 10MB erlaubt. Wichtig ist, dass auch der Empfänger Split-It nutzt, um die Datenpakete wieder zu einer Datei zusammensetzen zu können.

Weitere Tools auf den CDs „Programme 1 bis 3“

Auf den CDs, die ich gestern entsorgt habe, waren unter anderem folgende Programme gespeichert:

  • Netscape 4: Ein alternativer Webbrowser zum Microsoft Internet Explorer. Mit Netscape habe ich die ersten Websites erstellt. Wer kann sich noch an Netscape erinnern?
  • Winzip: Mit dem Programm kann man Dateien komprimieren (Format .zip). Bis 2002 hatte ich Windows 98, anschließend Windows XP. Standardmäßig waren damals keine Programme dabei, um Dateien zu komprimieren.
  • Winamp: Ein Audio- und Mediaplayer.
  • FTP: Ein Programm, mit dem man Dateien vom lokalen Rechner auf einen Server überträgt. Mit FTP übertrage ich Dateien auf mein Webspace, beispielsweise Websites.

Heute: Internetgeschwindigkeit und Speicher weiter knapp

Dank DSL können wir heute zwar viel schneller im Internet surfen und dank größerer Festplatten mehr speichern. Allerdings heißt das nicht, dass es heute keine Engpässe gibt:

  • Auch heute fällt das Internet mal aus (ich bin Vodafone-Kunde).
  • Auch heute dauern größere Down- und Uploads lange: Ich habe DSL 2.000 (ich muss umziehen oder auf Kabelfernsehen umsteigen, um schnelleres Internet zu haben). Als ich mir das Betriebssystem OS X Lion im App-Store gekauft habe, musste ich fast 6 Stunden warten, bis die 4GB auf mein MacBook heruntergeladen waren (theoretische Downloadzeit: 4:20 Stunden).
  • Auch heute sind Festplatten zu klein. Was sind 250GB, wenn man 16.000 Digitalbilder (35GB), 1.300 Musiktitel (11GB) und einige selbst erstellte Videos (30GB) hat?

Fazit: Schnelleres Internet und größere Datenspeicher ziehen umfangreichere Anwendungen und Websites nach sich (oder umgekehrt). Hat man im Jahr 2000 bei Websites darauf geachtet, dass sie schnell über eine Modem- oder ISDN-Verbindung geladen wurden, optimiert man heute Websites auf DSL. Ruft man z.B. www.spiegel.de mit einer 64 kbit-ISDN-Verbindung auf, müsste man fast 2,5 Minuten warten, bis die Seite geladen ist (1.160,58kB, www.subwizard.de, 01.07.2012).

Ladezeit von spiegel.de (01.07.2012)
Ladezeit von spiegel.de (01.07.2012)

Und Bilder aus Digitalkameras können heute mehrere MB groß sein. Doch irgendwann ist dann auch die Festplatte voll. Allerdings gibt’s heute externe Festplatten mit 1TB für rund 100 Euro. Meine 40GB Festplatte hatte 1999, meine ich, zwischen 80 und 100 DM gekostet.

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