Print gegen digital

Unter dem Titel „Verlage wollen keine Buhmänner sein“ berichtet das Medienportal Meedia am 13.03.2012, dass der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) für einen fairen Wettbewerb mit Google, Facebook, Apple und Amazon plädiert. So beeinflussen die Geschäftsmodelle dieser „Big Four“ das Verlagsgeschäft stark, zitiert Meedia Christoph Schuh, Vorstand von Tomorrow Focus.

Am gleichen Tag titelt Meedia „iPad-Magazinen droht der Retina-Schock„. Das hochauflösende Display des neuen iPads  „dürfte Medienhäuser künftig vor große Probleme stellen“, so Meedia. Denn: Höhere Displayauflösung bedeutet höhere Bildauflösung und damit höhere Dateigröße. Bei iPad-Magazin mit vielen Seiten, Meedia spricht von hunderten Seiten, führt das zu hohen Downloadraten.

Mir gehen zwei Dinge durch den Kopf:

  1. Schade, dass bei uns die Mobilfunkanbieter das LTE-Netz erst noch ausbauen! Der neue Mobilfunkstandard, auch G4 genannt, ermöglicht deutlich höhere Downloadraten als UMTS.
  2. Wieso haben digitale Magazine mehrere hundert Seiten?

Heißt digital hunderte von Seiten?

Als Leser von digitalen Magazinen will ich nicht auf einen Schlag viele Seiten mit Inhalten bekommen, die womöglich schon mehr als einen Monat alt sind. Wegen der aufwändigen Print-Produktion und Kosten ist es klar, dass die Erscheinung von Magazinen in anderen Zyklen stattfindet, aber digital? Lesevergnügen heißt für mich: Besser alle paar Tage etwas Neues als am Stück ganz viel. Und: Warum muss ich digital ein ganzes Magazin kaufen? Die Zusammenstellung einzelner Ressorts wäre doch super, beispielsweise nur Wirtschaft und Sport von Magazin A sowie Politik und Feuilleton von Magazin B. Print kaufe ich zwangsläufig auch Themen mit, die mich nicht interessieren. Digital muss das nicht sein.

Ausgedruckte Zeitung mit Online-Blogbeiträgen gescheitert

Zwar war Deutschlands erste individualisierbare Zeitung „niiu“ Ende 2009 gestartet, Sie musste allerdings gut ein Jahr später ihr Angebot einstellen. Der Grund: zu wenig zahlende Abonnenten, um das Angebot finanzieren zu können. „Internet-Ausdrucker wollen die Zeitung retten„, titelte der Spiegel am 24.02.2010. Die Rettung ist offensichtlich gescheitert. Weshalb soll man auch Beiträge aus Blogs ausdrucken? Weil man sich für ein digitales Angebot verschiedene Printtexte einscannen lässt? Vielleicht wäre ein digitales Angebot erfolgreicher, bei dem ich mir Inhalte aus verschiedenen Angeboten zusammenstellen und die thematischen Stärken verschiedener Medien nutzen kann: Politik von A, Wirtschaft von B, Lokales von C usw.

Mich erinnert jedenfalls der Versuch, ganze Magazine digital bereitzustellen, sehr stark an die Zeit, als Apple mit iPod und iTunes die Musikbranche revolutionierte. Die Musikindustrie wollte natürlich ganze Alben verkaufen statt einzelne Titel. Ich kaufe schon seit Jahren nur noch einzelne Titel aus den unterschiedlichsten Genres. Das kann unterm Strich manchmal sogar teurer sein, wenn man keine Zeit hat, nach Alben zu recherchieren, auf den viele Lieder sind, die man gerade kaufen möchte.

Und noch einmal die Frage: Weshalb soll ich nicht einzelne Artikel, Ressorts oder noch besser Themen kaufen können? Um weiter mit Allgemeinbildung glänzen zu können, wäre sicher eine Sparte gut, die alle Themen bündelt, die man nicht ganz so ausführlich haben möchte. Für mich ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Überlebens, bis Medienhäuser andere digitale Angebote schnüren (siehe hierzu „Apples Revolutionen: Erst Musikindustrie, dann Smartphones, nun Medienbranche„).

Big Four produzieren keinen Content

Es sind nicht nur die Geschäftsmodelle der „Big Four“, die den Verlagen und auch dem Journalismus zu schaffen machen. Es sind vor allem die technischen Neuerungen, auf die Google, Facebook, Apple und Amazon mit passenden Geschäftsmodellen reagieren. Und diese Angebote gefallen sehr vielen Menschen.

In Kürze sind die Schwerpunkte der Angebote, ohne auf die Geschäftsmodelle und auf die Kritik an den Angeboten einzugehen:

  • Google: Suche und Angebote, wie Google Maps, Google News oder Webmastertool
  • Facebook: Netzwerk mit ansprechendem Design und diversen Anwendungen und Möglichkeiten, wie Spiele, Kalender, Fotos, Umfragen
  • Apple: Leicht zu bedienende Geräte, ansprechendes Design, nützliche Funktionen für den Alltag, wie Musik, Fotos, Internet, Telefon
  • Amazon: Großes Versandhaus für Konsumartikel, wie DVD, Bücher oder technische Geräte

Diese Angebote produzieren keinen Content. Sie stellen Usern Content auf verschiedene Weise dar, beispielsweise:

  • Google: Suche und Google-News  führen zu den Webangeboten der Medienhäuser
  • Facebook: User können Inhalte empfehlen (Traffic auf die Webangebote bringen) oder Beiträge diskutieren.
  • Apple: Stellt technische Geräte bereit, die mobilien Lesegenuss ermöglichen.
  • Amazon: Beispielsweise Verkauf von print und digitalen Inhalten.

Verlage müssen technische Möglichkeiten nutzen

Jetzt sind die Content-Produzenten an der Reihe, nämlich Content den technischen Möglichkeiten und dem Konsum entsprechend anzubieten. Natürlich müssen auch die Journalisten und Redakteure umdenken: Einen großen Teil unserer Informationen werden wir künftig nur noch digital konsumieren. Journalisten müssen nicht ständig neuen Content produzieren. Sie können sich auch der riesigen Contentmengen im Web bedienen: Inhalte von Blogs und Websites oder aus dem Social Web. Und welche journalistischen Formate sind in einer Digitalenwelt sinnvoll? Beispielsweise Interviews als Video oder Audio?

Internet = Revolution

In 3:30 erklärt Prof. Kruse, weshalb das Internet unsere Gesellschaft revolutioniert.

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