Vom vergeblichen Versuch, einen Festnetzanschluss zu bekommen

Im deutschen TK-Markt herrscht Wettbewerb, das wissen wir alle. Und wir alle wissen, dass Wettbewerb gut ist, weil Wettbewerb bessere Produkte, bessere Preise und besseren Service bedeutet. Das kann man überall nachlesen.

Also sollte es das Einfachste auf der Welt sein, umzuziehen und nahtlos weiter Festnetz und DSL zu nutzen. Außer man zieht in einen Neubau. Außer, dieser Neubau hat sechs Monate vor Einzug eine Leitung gelegt bekommen, von einem Dienstleister der Deutschen Telekom, die ja immer noch Herrin über die letzte Meile ist. Außer, diese Leitung wird nicht dokumentiert. Denn dann existiert die Leitung für die Deutsche Telekom nicht. Da kann der Bauherr noch so oft darauf beharren, dass sie liegt. Da kann der Bauherr noch so oft bitten, einen Techniker vorbeizuschicken, der die Leitung sieht und dokumentiert.

„Nein, das Haus ist nicht versorgt“, heißt bei der Telekom, sowohl bei der Bauherrenberatung als auch im normalen Call-Center. Hunderte von Anrufen, die stereotyp mit der Wendung enden „Das tut mir Leid. Ich schicke den Zuständigen eine E-Mail.“ Die müssen sich stapeln, im Ordner „Ungelesen, bitte nicht öffnen“. Und weil das Haus nicht versorgt ist mit Glasfaser, muss natürlich auch kein Techniker kommen. Wo kämen wir denn da hin. Stattdessen nahezu jede Woche absurde Briefe vom Anbieter, mit fiktiven Freischaltungsdaten, die schon längst vergangen sind, wenn der Brief zugestellt wird.

Nun bin ich gar nicht Telekom-Kunde, sondern bei einem Marktbegleiter, wie man heute sagt. Der klemmt mir den alten Anschluss pünktlich ab, mitten in der Web-Sitzung. Dann sagt er noch, dass im neuen Haus leider keine Leitung liegt, weshalb der Umzugsantrag nicht bearbeitet werden kann. Dann schweigt der Marktbegleiter.

Nach acht Wochen rufe ich mal an und frage, wie es so steht mit meinem DSL. „Sie wollten doch nachforschen, ob die Telekom die Leitung freigeschaltet hat. Wir können da nix tun“, heißt es. Auf mein Zauberwort „Kündigung“ hin, wird es hektisch, E-Mails und SMS laufen ein, nur passieren tut nichts.

 

Jetzt ist der Anschluss freigeschaltet, aber die Telekom sagt, alle Leitungen seien belegt. Schreibt mir mein Anbieter und bietet mir den Surfstick an, den ich schon seit drei Jahren habe und bezahle. Noch mal Rückfrage im Call-Center, was das denn heiße. Ergebnis: „Wir können nichts für Sie tun. Fragen Sie doch die Deutsche Telekom, ob die Sie versorgen kann.“ So endet also eine mehrjährige Geschäftsbeziehung, die für den Provider durchaus lukrativ war.

 

Aber im deutschen TK-Markt herrscht Wettbewerb.

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