Was ist so verwerflich an Buchverlagen?

Verwertungsindustrie – das klingt irgendwie schmutzig, so wie Atomlobby oder Müll-Mafia. Doch was haben beispielsweise Buchverlage gemacht (und machen es noch)? Sie nehmen Manuskripte an, von denen sie glauben, dass sie ein kommerzieller Erfolg werden oder zumindest die Kosten für die Produktion eines Buchs einspielen (viele Verlage nehmen auch Manuskripte an, von denen sie wissen, dass sie es nicht tun, einfach, weil sie etwa die Gedichte einer Lyrikerin so gut finden, weil solch ein Gedichtband in die Verlagslinie passt, manchmal auch, weil der Unternehmensinhaber, die Unternehmensinhaberin einfach hoffnungslos z.B. der Lyrik verfallen ist). Und dann investieren Verlage in ihre Autoren: Sie geben ihnen LektorInnen an die Hand, die ein gutes Manuskript richtig gut machen, sie organisieren und finanzieren Druck, Titelgestaltung, Vermarktung und Vertrieb. In der Regel zahlen sie den Autoren einen Vorschuss auf die zu erwartenden Erlöse und beteiligen die Autoren an den Verkaufserlösen. Natürlich erhält der Autor nicht die kompletten Erlöse, denn wie gesagt: der Verlag hat ja in das Buch investiert. So ganz sehe ich nicht, was an diesem Geschäftsmodell verwerflich sein soll oder ausbeuterisch.

Jetzt gibt es natürlich auch andere Wege, als Künstler (in diesem Fall als Schriftsteller) Geld zu verdienen: Man kann sein Werk als Book on Demand (BoD) direkt über Amazon verlegen und vertreiben. Man kann es auch gleich nur online im eigenen Blog oder über die eigene Website verkaufen. Aber sagen wir einmal so: Mir ist noch kein Bestseller bekannt, der auf diesem Weg in die Welt gekommen wäre, und ich kenne auch niemanden, der mit einem BoD so viel verdient hätte, dass es zum Leben reicht. Sicher, es gibt genügend Autoren, die auf dem klassischen Weg auf den Markt kommen, ohne damit reich zu werden, und es gab auch bislang schon die Publikationen in Selbstverlagen. Das kann ja auch jeder so machen, der den klassischen Weg entweder ablehnt oder keinen Verlag findet, der auf ihn setzt.

Weshalb aber generell dieser Weg erfolgreicher sein soll für Schriftsteller als der klassische, wieso ein Schriftsteller besser dasteht, wenn er auf Vermittler wie Verlage verzichtet, das leuchtet mir nicht ein. Ich werde den Verdacht nicht los, dass diejenigen, die keine Lust mehr haben, für Bücher oder Musik zu zahlen, das Ganze so lange dialektisch betrachten, bis am Ende steht: Raubkopien, für die der Künstler kein Geld sieht, helfen dem Künstler im Kampf gegen die Verwertungsindustrie. Irgendwie ist das Quatsch.

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